Augen lasern: Risiken, Kosten & Chancen

Rund 52 Millionen Menschen tragen in Deutschland eine Brille oder Kontaktlinsen. Sie fühlen sich davon beeinträchtigt und hoffen, durch das Lasern der Augen wieder zu 100 Prozent sehen zu können.

Augen lasern: Risiken werden oft vernachlässigt

Pro Jahr lassen sich mehr als 100.000 Menschen in Deutschland die Augen lasern, damit sie weder Brille noch Kontaktlinsen brauchen. Meist sind die Patienten zufrieden mit dem Ergebnis und froh darüber, dass die bekannten Risiken bei ihnen nicht eingetreten sind. Doch bei einigen Menschen ist genau das der Fall und die nicht ganz unumstrittenen Verfahren gehen mit den gefürchteten Nebenwirkungen einher. Das Interessante an der Sache ist, dass es nur wenige Langzeitstudien zu dem Thema gibt. Die ersten Erfolge der Operation sind vorhanden, doch anders als bei einer Linsenimplantation gibt es keine Studien, die auf Jahre zuvor stattgefundene Eingriffe zurückgehen und die langfristigen Erfolge kontrollieren.

Einige Experten sehen im Lasern der Augen gar eine Art Modeeingriff, andere bestreiten das und sind der Ansicht, dass sich mit dem Augenlaser tatsächlich die Lebensqualität der Menschen beeinflussen lässt. Fakt ist auf jeden Fall, dass zwar über Risiken aufgeklärt wird, dass diese aber gern beiseite gewischt werden und augenscheinlich nicht schwerwiegend sind. Die Enttäuschung kommt später, wenn die Sehkraft doch nicht zu 100 Prozent wieder hergestellt ist oder Beschwerden auftreten, die angeblich nur höchst selten vorkommen.

Video: Augenlasern: Risiken und Gefahren | Prof. Dr. Manfred Tetz

Augen lasern: Verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Risiken

Während bei einer Linsenimplantation die komplette Linse getauscht und damit die Sehkraft wiederhergestellt wird, wird beim Augenlasern lediglich die Hornhaut abgetragen. Damit wird erreicht, dass eine sogenannte brechungsbasierte Schwäche korrigiert wird. Zum Einsatz kommen verschiedene Methoden, die alle das gleiche Ziel verfolgen: Nach der Operation ohne Sehhilfe gut und scharf sowie in allen Entfernungen sehen zu können. Dennoch gilt es, Risiken und Chancen abwägen zu können, was nur durch Kenntnis der verschiedenen Methoden möglich ist.

Ebenfalls wichtig: Die Risiken sind umso höher, je älter der Patient ist, wobei Experten generell zum Lasern der Augen raten, wenn der Patient zwischen 20 und 30 Jahre alt ist. Dann ist die Linse bereits ausgewachsen, die Sehkraft verschlechtert sich aber nicht altersbedingt schon wieder.

Folgende Methoden kommen für das Augenlasern infrage:

  1. PRK
    Die PRK (Photorefraktive Keratektomie) ist das älteste Verfahren, bei dem der Augenlaser eingesetzt wird. Hierbei entfernt der Arzt das Epithel auf der Hornhaut, welches dann wieder neu wachsen muss. Das dauert bis zu zwei Wochen und kann mit großen Schmerzen verbunden sein. Die Methode kommt heute kaum noch zum Einsatz.
  2. LASEK
    Dieses Verfahren kommt zur Anwendung, wenn die Hornhaut nur eine geringe Stärke aufweist. Das Epithel wird hierbei aber nicht entfernt, sondern nur zur Seite geschoben. Der Augenlaser trägt Hornhautzellen in dem nun freigelegten Bereich ab und verändert damit die Form sowie die Brechkraft der Hornhaut. Danach schiebt der Arzt das Epithel wieder zurück. Es dient als eine Art natürlicher Wundverband.
  3. LASIK
    LASIK wird in Deutschland am häufigsten angewendet. Das Epithel wird hierbei von der restlichen Hornhaut getrennt und abgehoben. Dies wird als Flap bezeichnet. Der Femtosekundenlaser kann statt der Klinge zum Erstellen des Flaps eingesetzt werden. Der Arzt trägt die Hornhautzellen ab und legt danach den Flap wieder auf. Er verwächst allerdings nicht wieder richtig mit der Hornhautschicht.
    Augen lasern mit Risiken
Bei jeder Operation bestehen bestimmte Risiken, doch beim Lasern der Augen kommt den Risiken eine besondere Bedeutung zu.

Bei jeder Operation bestehen bestimmte Risiken, doch beim Lasern der Augen kommt den Risiken eine besondere Bedeutung zu.(#01)

Bei jeder Operation bestehen bestimmte Risiken, doch beim Lasern der Augen kommt den Risiken eine besondere Bedeutung zu. Immerhin handelt es sich bei den Augen um Körperteile, deren Aufgabe nicht einfach kompensiert werden kann. Wenn zuvor der Augenoptiker Brille oder Kontaktlinsen angepasst hat und diese nicht mehr ausreichend sind, können neue Sehhilfen gewählt werden. Beim Augenlasern ist sicherlich ein gewisses Maß an Nachbesserung möglich, allerdings handelt es sich nicht um einen Eingriff, der beliebig oft wiederholt werden kann.

Dabei sind gerade beim Verfahren des LASIK die Risiken groß: Der erstellten Flap verwächst nicht wieder und kann die darunter liegende Hornhaut nicht stabilisieren. Das kann zum Problem werden, wenn beispielsweise altersbedingt der Augeninnendruck zunimmt und sich die Hornhautschicht nach vorn schiebt. Im schlimmsten Fall wird eine Transplantation nötig. Außerdem können Teile des Epithels, das für den Flap verwendet wurde, wandern und zu Entzündungen führen. Wird der erstellte Flap nicht richtig aufgelegt und wirft er Falten, führt das zu einem verzerrten Sehen.

Das Lasern der Augen ist vor allem für die Patienten geeignet, die eine Kurzsichtigkeit von bis zu minus acht Dioptrien oder eine Weitsichtigkeit von bis zu vier Dioptrien aufweisen. Auch eine Stabsichtigkeit lässt sich über das Lasern behandeln, sofern diese bis maximal minus drei Dioptrien beträgt. Innerhalb dieser Grenzen gilt das Lasern als sicher, so der Berufsverband der Augenärzte.

Zu den häufigsten Risiken und Nebenwirkungen zählt die Augentrockenheit, die sich nach der Operation einstellt. Außerdem können Blendeffekte auftreten, die so stark sind, dass das Autofahren in der Nacht unmöglich wird. Die LASIK-Methode birgt das Risiko, dass sogenannte Halos entstehen, das sind Lichterscheinungen um Gegenstände. Die meisten dieser Beschwerden sind nicht von langer Dauer und verschwinden binnen der ersten drei Monate nach der Operation.

Bei umfassenden Korrekturen einer starken Fehlsichtigkeit können z. B. Blendwirkungen bestehen bleiben. Das Risiko dafür liegt bei 1:200.000, was bedeutet, dass es einen Patienten innerhalb von zwei Jahren in Deutschland trifft. Die Korrekturen bewegen sich dann meist innerhalb von minus eins bis fünf Dioptrien. Das Risiko steigt, wenn die Korrektur bis zu acht Dioptrien reicht. Es liegt dann bei vier bis fünf Prozent.

Experten sehen zwar auf der einen Seite die Chancen durch das Lasern der Augen und die damit verbundene höhere Lebensqualität der Patienten. Auf der anderen Seite wissen sie auch, dass es sich um einen rein kosmetischen Eingriff handelt, der medizinisch nicht nötig ist. Die Risiken stehen für viele Fachleute daher in keinem angemessenen Verhältnis zu den Chancen.

Wichtig ist daher, das Kosten-Nutzen-Verhältnis genau abzuwägen und erst nach reiflicher Überlegung und fachkundiger Beratung durch Arzt und Augenoptiker zu entscheiden, ob das Lasern der Augen die Risiken wert ist. Immerhin stellen Brille und Kontaktlinsen verträgliche Alternativen dar, die immer wieder korrigiert werden können.

Wichtiges Qualitätsmerkmal bei der Auswahl eines Arztes oder einer Klinik ist die Anzahl der bereits erfolgreich durchgeführten Operationen. Außerdem sollte das Siegel LASIK-TÜV-SÜD vorhanden sein. Dieses zertifiziert die Kliniken und Ärzte nach der Qualifikation, nach Ausstattung und Hygienestandard.

So teuer wie eine Linsenimplantation ist das Augen Lasern nicht, dennoch ist mit enormen Kosten zu rechnen. Pro Auge liegen die Beträge zwischen 1.300 und 2.000 Euro.

So teuer wie eine Linsenimplantation ist das Augen Lasern nicht, dennoch ist mit enormen Kosten zu rechnen. Pro Auge liegen die Beträge zwischen 1.300 und 2.000 Euro. (#02)

Augen lasern lassen: Kosten für den Eingriff

So teuer wie eine Linsenimplantation ist das Augen Lasern nicht, dennoch ist mit enormen Kosten zu rechnen. Pro Auge liegen die Beträge zwischen 1.300 und 2.000 Euro. Die Preise werden niedriger, wenn ein spezielles LASIK-Zentrum aufgesucht wird. Die dort mittlerweile veranstaltete Massenabfertigung lässt die Preise geringer ausfallen. Das klingt erst einmal negativ, ist es aber nicht zwingend, denn dafür bieten die Ärzte viel Erfahrung auf ihrem Fachgebiet. Außerdem sind die Auflagen in puncto Hygiene und Sicherheit in der Klinik höher als in einer Praxis.

Auf Kassenkosten lässt sich der nicht ganz kostengünstiger Eingriff nicht ausführen, lediglich privat Versicherte können darauf hoffen, dass ein Teil der Kosten übernommen wird. Hier ist die Nachfrage beim Versicherer direkt nötig.

Vor der eigentlichen Operation fallen umfassende Untersuchungen an. Dabei wird erst entschieden, ob der Eingriff überhaupt durchgeführt werden kann oder nicht. Allerdings sind diese Untersuchungen auch nicht kostenlos, sondern in der Regel im Gesamtpaket zur Operation enthalten. Wer sich danach gegen das Lasern der Augen entscheidet oder wer durch den Arzt eine Absage erhält, muss dennoch die bis dahin angefallenen Kosten tragen. Diese bewegen sich meist um 200 Euro.

Video: Augenlaser OP: Augen lasern in Istanbul/Türkei

Augen lasern im Ausland?

Angesichts der enormen Kosten kommen viele Menschen auf die Idee, sie können die kostengünstigeren Angebote im Ausland nutzen und sich dort für eine Augenlaser-OP entscheiden. Gerade die Türkei bietet viele Anlaufstellen und wirbt zudem mit einer deutschsprachigen Betreuung. Hier scheint es eine Glückssache zu sein, ob die OP Erfolg hat und sich der Patient wohlfühlt, denn die Meinungen dazu sind sehr geteilt. Es ist in jedem Fall nicht empfehlenswert, einen derartigen Eingriff nur aus Kostengründen im Ausland vornehmen zu lassen. Patienten sollten die Klinik und den behandelnden Arzt vor allem im Hinblick auf seine Erfahrung und auf zufriedene Patienten hinterfragen.

Außerdem sollte bedacht werden, wenn es immer zu Komplikationen kommen kann, auch einige Wochen nach der Operation. Dann ist der Arzt im Ausland weit weg. Die Kosten können sich in einem solchen Fall schon allein aufgrund der mehrfach anfallenden Reisekosten auf deutlich mehr belaufen, als für eine Operation im Inland durch einen erfahrenen Experten gezahlt werden müsste.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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