Cruelty Free: Diese Produkte sind clean!

Rund 2,8 Millionen Tiere sterben allein in Deutschland alljährlich bei Tierversuchen, dies hat das Max-Planck-Institut ermittelt. Dabei müsste Cruelty Free eigentlich normal sein, denn Tierversuche für die Kosmetik sind seit 2004 verboten.

Was garantiert uns Cruelty Free?

Cruelty Free garantiert, dass die entsprechenden Produkte ohne Tierversuche hergestellt worden sind. Bereits seit 2004 sind Versuche an Tieren für kosmetische Endprodukte verboten, seit 2009 dürfen laut EU-Gesetz keine neuen Inhaltsstoffe für Kosmetik mehr an Tieren getestet werden. Seit 2013 ist der Verkauf kosmetischer Produkte untersagt, die im Ausland durch Tierversuche getestet worden sind. Dies klingt alles sehr gut und theoretisch müssten Käufer nun ein gutes Gewissen haben. Doch PETA und andere Tierschutzorganisationen klären darüber auf, dass das System Lücken bietet.

Die EU-Kommission hat sich bei ihrem Verbot nur auf Inhaltsstoffe und Endprodukte bezogen, die einzig und allein für die Kosmetikindustrie eingesetzt werden. Doch es gibt einige Substanzen, die eigentlich vorrangig für Reinigungsmittel, Medikamente und andere Produkte verwendet werden, die an Tieren getestet werden dürfen. Genau diese werden von Beautykonzernen verwendet, denn die Marktzulassung dieser Produkte darf nur erfolgen, wenn Tests an Tieren die Unbedenklichkeit der Inhaltsstoffe bewiesen haben bzw. deren Wirkung klar ist.

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Dabei beweisen immer mehr Verbraucher, dass sie bewusster einkaufen. Sie achten darauf, ob „certified natural“ auf der Verpackung steht oder „certified cruelty-free“ bzw. eines der anderen Zertifikate und Siegel zu finden ist. So wie dieses Produkt des Herstellers „Steiger Naturals“ beweist, werben auch die Hersteller verstärkt mit derartigen Siegeln und sprechen damit eine wachsende Zielgruppe an. Dennoch muss ein Käufer beachten, dass nicht alle derart beworbenen Produkte auch wirklich frei von Tierversuchen über Drittanbieter oder in Fremdbranchen sind. Doch um wirklich cruelty free zu produzieren, muss weltweit auf Tests an Tieren verzichtet werden und nicht nur im eigenen Heimatland.

Cruelty Free, tierversuchsfrei und vegan: Was ist das Beste?

Auf den ersten Blick scheinen Cruelty Free, vegan und tierversuchsfrei alle das Gleiche zu meinen. Wenn etwas ohne Tests an Tieren hergestellt wurde, muss es doch vegan und cruelty free sein, oder? Doch es gibt einige Aspekte, die diese drei voneinander unterscheiden:

  • Naturkosmetik
    Der Begriff „Naturkosmetik“ wird zwar gern verwendet, ist aber nicht geschützt. Jedes Unternehmen darf seine Kosmetik als Naturkosmetik bezeichnen, wie auch PETA kritisiert. Grundsätzlich muss Naturkosmetik aber durch ein Siegel zertifiziert werden, was die Einhaltung bestimmter Punkte bescheinigt. Doch: Die Siegel sind verschieden und sehen unterschiedliche Richtlinien vor, denn Naturkosmetik muss nicht unbedingt vegan oder vegetarisch sein. Die Inhaltsstoffe können aus Pflanzenbestandteilen stammen, dürfen aber auch von toten oder lebenden Tieren kommen. Gern werden zum Beispiel Milch und Honig für Naturkosmetik und Beauty Produkte eingesetzt. Rohstoffe wie Fette oder Frischzellen aus toten Wirbeltieren sind ausgeschlossen, erlaubt sind aber Rohstoffe aus wirbellosen Tieren.
  • Vegane Kosmetik
    Produkte für Beauty und Körperpflege, die als vegan bezeichnet werden, dürfen weder von toten noch von lebenden Tieren Stoffe enthalten. Doch wieder gilt: Auch vegane Kosmetik muss nicht ohne Tests an Tieren hergestellt worden sein. Der Begriff „vegan“ ist wieder einmal nicht geschützt, nur der Mensch schließt nach seinem Verständnis Tierversuche dabei aus. Es gibt mittlerweile einige Siegel, die „vegan“ garantieren, doch bei vielen Herstellern wird dieser Begriff immer noch eher als Marketingmöglichkeit und nicht als Wahrheit gesehen.
  • Tierversuchsfreie Kosmetik
    Diese Beauty und Kosmetik Produkte nennen sich „cruelty free“, dennoch ist dank der oben genannten Schlupflöcher ein genaues Hinsehen wichtig. Denn: Nur, weil der Kosmetikkonzern damit wirbt, dass die Produkte nicht an Tieren getestet wurden, stimmt das grundsätzlich noch lange nicht. Es kann immerhin sein, dass einzelne Inhaltsstoffe diesen Tests unterzogen wurden. Marken, die wirklich cruelty free und zu 100 Prozent vegan sind, werden durch PETA gekennzeichnet. Das Logo „cruelty free and vegan“ wird nur nach strenger Prüfung von Produkt und Hersteller vergeben.
Cruelty free: Der Begriff „Naturkosmetik“ wird zwar gern verwendet, ist aber nicht geschützt.

Cruelty free: Der Begriff „Naturkosmetik“ wird zwar gern verwendet, ist aber nicht geschützt. (#01)

China als Problemmarkt

Die EU-Kommission mag zwar im Sinne der Tiere entschieden haben, weltweit gilt das Verbot der Tierversuche allerdings noch nicht. Auf dem chinesischen Markt sind sie sogar gesetzlich vorgeschrieben und jedes Unternehmen, das nach China expandieren will, muss sich diesem Fakt beugen. Ein Beispiel: Bis 2017 gab es in den USA die Brand „Nars“, die damit warb, dass die eigenen Produkte frei von Tierversuchen seien und völlig nachhaltig produziert würden. Doch das Businessmodell sollte auch auf dem chinesischen Markt bestehen können. So beugte man sich den Vorgaben und gab das Image der grünen Kosmetik auf. Selbst die Proteste von Verbrauchern halfen nicht weiter, denn auch wenn Kunden in den USA Wert auf cruelty free legen, so war der Profit auf dem chinesischen Markt doch höher als das gute Gewissen des Herstellers.

Diese Zertifikate nutzen Brands für Beauty und Kosmetik

Leider gibt es kein allgemeines Zertifikat. Wenn also auf einer Verpackung steht „certified …“, so muss doch noch ein Blick hinter die Kulissen des Herstellers geworfen werden. Einige Listen und Siegel unabhängiger Organisationen sind vertrauenswürdig und können zur Auswahl genutzt werden. Leider finden sich derartige Siegel nur selten auf den Kosmetikverpackungen. Besonders bekannt dürfte „Leaping Bunny“ als Siegel sein, das am meisten verbreitet ist und von der „Cruelty Free International“ Organisation (Gründung in 1898 durch Frances Power Cobbe) vergeben wird. Auch PETA weist auf dieses Siegel hin und hält es neben dem eigenen für am wichtigsten.

PETA bietet auch „Choose Cruelty Free“ als Kennzeichnung, welche sich vor allem auf Produkte aus Australien konzentriert, während PETA gern ein Auge auf Produkte aus den USA und Kanada hat.

Besonders bekannt dürfte „Leaping Bunny“ als Siegel sein, das am meisten verbreitet ist und von der „Cruelty Free International“ Organisation vergeben wird.

Besonders bekannt dürfte „Leaping Bunny“ als Siegel sein, das am meisten verbreitet ist und von der „Cruelty Free International“ Organisation vergeben wird. (#02)

Wer gezielt nach diesen Siegeln suchen möchte, kann die App „Happy Bunny“ nutzen, die allerdings auch Marken erwähnt, die zum Teil zu Konzernen gehören, die andere Brands führen, welche nicht mehr frei von Tests an Tieren sind. Das heißt, wer eine solche Brand kauft, läuft Gefahr, ungewollt doch wieder Tierversuche zu unterstützen.

Hier noch eine Liste der wichtigsten Siegel, mit denen Brands ausgezeichnet werden, die auf Tierversuche verzichten:

  • Leaping Bunny
  • IHTK – Hase mit schützender Hand (vergeben durch Deutschen Tierschutzbund und Internationalen Herstellerverband für tiergeschützte Naturkosmetik)
  • Vegan (Siegel mit Sonnenblume)
  • BDIH – Kontrollierte Naturkosmetik
  • Natrue (Erweiterung des BDIH-Siegels

Liste von in Europa hergestellten und nur hier erhältlichen Brands mit Cruelty-Free-Siegel

  • Lovely Day Botanicals (ausgezeichnet mit „Vegan“-Label und „Cruelty Free“ von PETA)
  • Und Gretel (BDIH certified)
  • OZN (kein Siegel)
  • Hej Organics (Bio- und Natrue-certified)
  • FINE (kein Siegel)
  • Nui Cosmetics (kein Siegel)

Video: OHNE TIERVERSUCHE❗️ komplettes Makeup mit CRUELTY FREE Produkten/Marken! 🐰

Weltweit erhältliche Brands, die ohne Tierversuche auskommen

Welcher Brand ist nun empfehlenswert? Wer sich wirklich dafür interessiert, kommt nicht umhin, sich wirklich mit jedem einzelnen Brand zu beschäftigen, denn wie die eben genannte Liste zeigt, sind auch nicht überall Siegel vergeben worden, obwohl der Brand sämtlichen Anforderungen genügt. Die Unterschiede zwischen veganer Kosmetik und Cruelty-Free-Produkten sind nur bei genauem Hinsehen erkennbar. Damit es etwas einfacher wird, folgt hier eine kleine Liste mit einer Auswahl international erhältlicher Kosmetikprodukte, die ohne Tierversuche hergestellt werden:

100 % Pure DermOrganic Hurraw! MAHALO PUR Cosmetics The Body Shop
3rd Rock Essentials Desert Essence I am Selfcare Marcelle Pure Anada The Ordinary
Abba Dr. Hauschka Jack Black Maria Nila Queen Helene theBalm
Adorn Cosmetics Dr. Loretta Jane Melt Cosmetics Raw Sugar TO112
Aesop Drunk Elephant Jordana Milani Real Simple Clean Tsi-La
AG Hair Drybar Josie Maran Molton Brown Ren Apple Lipstick Velvet Report
Afterglow Cosmetics Eco Tools Jouer My Daughter Fragrances REN Verb
Amika Elate Julep Natura Reverie Vernon Francais
Arctic Fox Elf Kaia Naturals Nature’s Gate Rodial W3ll People
Anastasia Beverly Hills Elizabeth Grant Kester Black NCLA Sachajuan Wander Beauty
Aubrey Organics Essence Kevin Murphy No7 Sand & Sky Wish
Aveda Everyday Minerals Kiss my Face NYX Schmidt’s Naturals Wunderbrow
Avalon Organics First Aid Beauty KKW Beauty Odacite Seche Yes To
bareMinerals Flower Koh Gen Do Ole Henriksen Sibu Youth to the People
Becca Furless LA Girl Ouai Skinny & Co. Zoeva
Besame Glossier Lather OZ Naturals SpaRitual Zoya
Bulldog GOSH Laura Geller Pai Stellar Beauty Zuzu Luxe
By Rosie Jane H2O Plus Le Labo Painted Earth Suki
Cailyn Cosmetics HAN Le Petit Olivier Paul Mitchell Tarte
Catrice Hello Products Linda Hallberg Paula’s Choice TATCHA
Covergirl Herbivore Botanicals Lulu Organics Perfekt Terra Nova

Bildnachweis: ©Shutterstock – Titelbild: HQuality – #01: ViChizh – #02: Pixel-Shot – #03: Oleg Gekman

Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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