Tattoo am Finger: Das sollten Sie wissen

Tätowierungen sind längst gesellschaftsfähig geworden. Es gibt jedoch wichtige Gründe, auf Tattoos am Finger zu verzichten und andere Körperteile für die schmückende Kunst auszuwählen.

 

Finger Tattoo: Was sollte vor dem Gang ins Tattoo-Studio beachtet werden?

Ein Tattoo auf der Hand oder am Finger ist zwar klein aber dennoch sehr auffallend. Das ist vielleicht der Grund für die wachsende Beliebtheit der auch als Knuckle-Tattoos bezeichneten Tätowierungen. Laien betrachten diese kleinen Bilder an der Hand sogar oft als leichten Einstieg in die Welt der Tätowierungen. Im Folgenden wird erläutert, warum dies nicht der Fall ist, sondern Finger Tattoos eigentlich nur für erfahrene Tattoo-Fans infrage kommen. Es sprechen einige gravierende technische Probleme dafür, den Plan, die Hand tätowieren zu lassen, noch einmal gründlich zu überdenken.

Faszination Körperkunst: Der Trend hin zu Tätowierungen hält an

Seit es Menschen gibt, versuchen diese sich zu schmücken und sich dadurch von anderen abzuheben. Bilder unter die Haut stechen zu lassen, ist eine Methode, den Körper dauerhaft zu verzieren. Bereits vor tausenden von Jahren ließen sich Menschen deshalb tätowieren. Mit spitzen Gegenständen wie Knochen wurde mit Farbe direkt in die Haut gezeichnet. Am Steinzeitmenschen Ötzi, der vor 5.300 Jahren lebte, fand man mehr als 50 Tätowierungen. Interessanterweise verlaufen diese Hautbilder exakt entlang der Hauptakupunkturlinie. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass mit den Tätowierungen Schmerzen gelindert werden sollten.

Hauptsächlich sind Tätowierungen jedoch in vielen Kulturen rund um den Erdball Körperschmuck, mit dem die Einzigartigkeit des Individuums unterstrichen wird. Die frühzeitlichen Tätowierungen wurden mit archaischen Methoden vorgenommen, sodass die modernen Tätowierungen als vergleichsweise schmerzarm zu bezeichnen sind. Lange Zeit waren Tätowierungen ein Zeichen der Zugehörigkeit zu einem Stamm oder einer Bevölkerungsgruppe. In der jüngeren Vergangenheit ließen sich Menschen jedoch auch als Zeichen einer Protesthaltung tätowieren.

Mittlerweile sind ästhetische Tattoos weitgehend salonfähig geworden. Popstars und Spitzensportler lassen ihre Körper mit aufwendigen Tätowierungen verzieren und längst ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass sich auch Studenten, Lehrer oder Banker tätowieren lassen. Nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen wünschen sich bleibende Bilder unter der Haut als Ausdruck eines besonderen Lebensgefühls. Laut einer aktuellen Studie der Universität Leipzig ist mittlerweile jeder Fünfte in Deutschland tätowiert.

Seit es Menschen gibt, versuchen diese sich zu schmücken und sich dadurch von anderen abzuheben. Bilder unter die Haut stechen zu lassen, ist eine Methode, den Körper dauerhaft zu verzieren. (#01)

Seit es Menschen gibt, versuchen diese sich zu schmücken und sich dadurch von anderen abzuheben. Bilder unter die Haut stechen zu lassen, ist eine Methode, den Körper dauerhaft zu verzieren. (#01)

Tattoo am Finger: Maximaler Effekt mit kleinem Motiv?

Ein Tattoo am Finger ist zwar sehr klein, fällt jedoch aufgrund der exponierten Stelle sofort ins Auge, zumindest wenn es auf der Außenseite der Finger gestochen wird. Das Internet ist voll von extravaganten Motiven, mit denen man seine Hand verzieren kann und deswegen steigt auch die Nachfrage nach den Bildern auf der Hand. Viele Tattoo-Fans sind verwundert, wenn der Profi im Tattoo-Studio diesen Wunsch ablehnt. Es gibt jedoch tatsächlich gute Gründe, die gegen ein Finger Tattoo sprechen.

In jedem seriösen Tattoo-Studio werden vor dem Griff zur Nadel vier Fragen gestellt:

  • Ist der Interessent ein Tattoo-Neuling?
  • Ist an der Körperstelle eine problemlose Heilung zu erwarten?
  • Ist die Körperstelle geeignet?
  • Ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Nachstechen erforderlich?

Ist der Interessent ein Tattoo-Neuling?

Ein seriöser Tätowierer wird einem Tattoo-Anfänger von einem Tattoo an einer derart exponierten, ständig sichtbaren Körperstelle abraten. Weder Kopf, Hals noch Hände sind geeignete Stellen für Neulinge, die noch keine Erfahrung mit der dauerhaften Wirkung von Körperbildern gemacht haben. Keinesfalls sollte ein solches Tattoo als Mode betrachtet werden. Im Gegensatz zum schrillen Outfit, mit dem man als Zwanzigjähriger provozieren will, kann man das Tattoo später nicht einfach als Hommage an die wilden Zeiten in den Kleiderschrank verbannen.

Video: 75 Finger Tattoos For Men

Ist an der Körperstelle eine problemlose Heilung zu erwarten?

Die Hände werden jeden Tag intensiv genutzt, sodass von einem problematischen Heilungsverlauf auszugehen ist. Eine saubere Heilung erfordert, die betreffende Körperstelle einige Zeit nicht zu berühren. Das ist bei den Händen eigentlich unmöglich. Aus diesem Grund kommt es besonders bei Finger Tattoos häufig zu Entzündungen und einem langwierigen Heilungsverlauf, der dann wiederum das Endergebnis negativ beeinträchtigt.

Video: 20 Tiny Finger Tattoos

Ist die Körperstelle geeignet?

Keine andere Stelle des Körpers wird so oft bewegt und so oft gewaschen wie die Hände. Hände sind die wichtigsten Werkzeuge des Menschen und deshalb das ganze Leben lang von starker Abnutzung betroffen, sodass damit zu rechnen ist, dass das Tattoo verblasst, Linien verschwinden oder es sogar zum kompletten Farbverlust kommt. Besonders der Trend, sich Schriftzüge auf die Innenseiten der Finger tätowieren zu lassen, ist kritisch zu beurteilen. Durch die ständige Reibung besteht kaum eine Chance, dass das Tattoo wirklich dauerhaft ist.

Ein weiteres Argument gegen Tattoos auf dem Finger oder der Hand ist die Beschaffenheit der Haut, die sich nicht besonders für Hautbilder eignet. Die feinen Papillarlinien auf der inneren Handfläche sind ein Grund dafür, dass die Farbe nur sehr schlecht in die Haut eingebracht werden kann. Deshalb sind besonders präzise, feine Motive kaum möglich. Weil die Haut außerdem sehr dünn ist, besteht eine erhöhte Gefahr von Blow-Outs, also dem Verschwimmen der Tinte. Auch der Hand- und die Fingerrücken weisen Besonderheiten der Haut auf, die die Wahrscheinlichkeit von Blow-Outs erhöhen. Aus diesem Grund können selbst professionelle Tätowierer nicht garantieren, dass das Endergebnis wie gewünscht ausfällt und viele Jahre lang unverändert haltbar ist.

Wer schon Erfahrungen mit Tattoos hat und sich ganz sicher ist, dass ein Hautbild, das jederzeit sichtbar ist, weder im Privat- noch im Berufsleben zu großen Problemen führt, kann durchaus seine Finger mit einem Tattoo verschönern lassen. (#02)

Wer schon Erfahrungen mit Tattoos hat und sich ganz sicher ist, dass ein Hautbild, das jederzeit sichtbar ist, weder im Privat- noch im Berufsleben zu großen Problemen führt, kann durchaus seine Finger mit einem Tattoo verschönern lassen. (#02)

Ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Nachstechen erforderlich?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nachstechen nötig sein wird, ist besonders bei Finger Tattoos extrem hoch. Jede Nacharbeit ist wieder mit einer langwierigen Heilungsphase verbunden, in der man die betreffende Hand kaum nutzen kann. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass bestimmte Tätigkeiten längere Zeit nicht durchführbar sind. Das betrifft nicht nur handwerkliche Arbeiten, sondern ganz normale Tätigkeiten im Haushalt wie das Abspülen.

Finger Tattoos: Welche Regeln sollten beachtet werden?

Wer schon Erfahrungen mit Tattoos hat und sich ganz sicher ist, dass ein Hautbild, das jederzeit sichtbar ist, weder im Privat- noch im Berufsleben zu großen Problemen führt, kann durchaus seine Finger mit einem Tattoo verschönern lassen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass bei sehr detailreichen Tattoos das Resultat tendenziell schlechter und vor allem weniger haltbar sein wird, als dies bei anderen Körperstellen der Fall wäre. Besonders bei Finger Tattoos muss unbedingt darauf geachtet werden, die Pflegehinweise des Tätowierers zu befolgen und möglichst immer die Hände mit einem Sonnenschutzmittel einzucremen.

Außerdem sollte man beachten, dass sichtbare Tattoos an den Händen in vielen Berufen immer noch ein No-Go sind. Das betrifft besonders Berufe mit Kundenkontakt. Selbstverständlich darf kein Arbeitgeber verbieten, sich tätowieren zu lassen. Er kann aber darauf bestehen, die Tattoos mit Kleidung zu verdecken und das ist bei Finger Tattoos nahezu unmöglich.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: _Stocksnapper  -#01:  FXQuadro-#02: ltummy

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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